Neue Initiative „Stärker als Gewalt“

Stärker als Gewalt
Setzen rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November gemeinsam ein Zeichen (v.l.): Bürgermeisterin Julia Samtleben, Gudrun Diedrich (Gleichstellungsbeauftragte) und Bettina Schüler (Feinbäckerei Schüler). Foto: hfr

Stockelsdorf. Auch in diesem Jahr macht sich die Gemeinde Stockelsdorf wieder stark gegen häusliche Gewalt.

Mit dem Aufruf „Du kannst helfen!“ wird die neue Initiative „Stärker als Gewalt“ bekannt gemacht. Auf www.stärker-als-gewalt.de finden Betroffene und Angehörige umfassende Informationen und Hilfsangebote zu den unterschiedlichen Formen von Gewalt. An der Initiative des Bundesfamilienministeriums beteiligen sich unter anderem die Frauenhäuser, Frauennotrufe, Männerberatungsstellen und die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Gleichstellungsbeauftragter.

„Wir wollen den Kreislauf von Gewalt stoppen und möchten betroffene Frauen und Männer dazu ermutigen, sich gegen körperliche und psychische Gewalt zu wehren und sich Unterstützung zu holen“, so Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben. „Außerdem rufen wir dazu auf, hinzuschauen und Betroffene anzusprechen. Fälle von eskalierender häuslicher Gewalt haben häufig eine Vorgeschichte. Wir machen die Aktion, weil durch Prävention Gewalt verhindert werden und die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung erhöht werden kann“, so Julia Samtleben. Auf www.stärker-als- gewalt.de sind viele gute Beispiele genannt, wie man sich im Privaten, am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit gegen Gewalt einsetzen kann, ohne sich selbst zu gefährden.

„Auch Männer, die sexuelle und häusliche Gewalt erlebt haben, bekommen Hilfe. Telefonische oder persönliche Ansprechpartner gibt es bei der Männerberatung in Elms­horn, Kiel und Flensburg“, so Stockelsdorfs Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich.

Die Gemeinde möchte außerdem bekannt geben, dass das Angebot der Vertraulichen Spurensicherung bei der Rechtsmedizinischen Ambulanz Schleswig-Holstein ausgeweitet wurde. Es wurden Untersuchungsräume in Eutin und Oldenburg eingerichtet, so dass Betroffene nicht mehr ins UKSH nach Lübeck fahren müssen. Ruth Taschendorf vom Frauennotruf Ostholstein: „Die Verletzungen und Spuren von häuslicher Gewalt werden untersucht, gerichtsverwertbar dokumentiert und pseudonymisiert gespeichert, ohne dass dies an eine Anzeige geknüpft ist. Die Betroffenen können zur Ruhe kommen und später überlegen, ob sie Anzeige erstatten möchten. Für diesen Fall hätten sie dann Beweise. Das Angebot ist kostenlos, und eine erste telefonische Beratung am Universitätsklinikum SH in Lübeck kann auch anonym erfolgen. Hier kann ein Termin für Eutin oder Oldenburg vereinbart werden“.

Der Frauennotruf Ostholstein verzeichnet seit ein paar Monaten einen deutlichen Anstieg der gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt. „In diesem Jahr sind wir bei aktuell 43 Wegweisungen, die von der Polizei übermittelt werden, das sind bereits Mitte November mehr als doppelt so viele wie in 2020. Bei den Datenübermittlungen ohne Wegweisung sind wir ebenfalls bei 43 Einsätzen. Die Beratungsarbeit und Krisenintervention bindet viele Ressourcen. Die Themen decken die ganze Palette ab: Partnerschaftsgewalt inklusive psychischer Gewalt, sexuelle Übergriffe, Stalking“, so die Beraterin. Die Stockelsdorfer Gleichstellungsbeauftragte hat als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in einem Schreiben an die Landesregierung den bedarfsgerechten Ausbau der Frauenhäuser mit mehr Plätzen gefordert. „Das würde der Istanbul-Konvention zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, die Deutschland 2017 unterzeichnet hat, entsprechen. Zudem sollen die realen Betriebs- und Mietkosten übernommen werden, und die personelle Ausstattung der Frauenhäuser muss dem Bedarf angepasst werden. Damit die Frauenhäuser sofort Frauen und ihre Kinder, die vor Gewalt fliehen, aufnehmen können, sollte das Land Schutzwohnungen anmieten“, so Dietrich.

Um Betroffenen zu helfen, ist das Sprechen über Gewalt der erste Schritt. Die Feinbäckerei Schüler unterstützt diese Aktion wieder in ihren Filialen in Stockelsdorf, Bad Schwartau und in der Ziegelstraße in Lübeck. „Wir geben in der Aktionswoche seit dem 22. November besondere Brötchentüten aus, die mit der Telefonnummer des Hilfetelefons und wichtigen Websites bedruckt sind. So erreichen wir alle Kund*innen und machen auf das Thema aufmerksam. Außerdem legen wir Infomaterial aus. Wir merken, dass viele Menschen durch die Pandemie angespannter und aggressiver sind als vorher und möchten einen Gegenpol setzen“, so die Inhaberin Bettina Schüler.

In Schleswig-Holstein werden insgesamt 320.000 dieser Brötchentüten unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ in 300 Verkaufsstellen von 44 Bäckereien ausgegeben. „Die langjährige Kooperation hat sich bewährt, weil wir dadurch sehr viele Menschen erreichen, die die Information weitergeben oder für sich nutzen können“, so Dietrich. In Stockelsdorf wird ein pinkes Infofahrrad tagsüber vor der Filiale der Feinbäckerei Schüler stehen, aus dem sich alle Passant*innen Flyer mitnehmen können. Außerdem informiert das Fahrrad über das „Rad der Gewalt“.

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