Betreiber hoffen auf politische Unterstützung: Zukunft des Vogelparks Niendorf/Ostsee weiter ungewiss

Vogelpark: Wie geht es weiter?
Die Parkleitung hat Jep Jepsen (re.) übernommen, während sich Christian Siebelts künftig um das Marketing kümmert. Das Vorhaben, den Vogelpark schnellstmöglich wieder zu öffnen, unterstützt unter anderem Petra Weiss (Mitglied im Förderverein). Fotos: RK

Niendorf/Ostsee. Die Situation rund um den Vogelpark Niendorf/Ostsee ist mehr als angespannt. Jetzt hat sich der aktuelle Betreiber Christian Siebelts in einem Pressegespräch öffentlich geäußert. Er setzt auf personelle Neuausrichtung und hofft auf Rückhalt aus der Politik – denn derzeit fehlt ein gültiger Pachtvertrag mit der Gemeinde.

Auf dem Gelände des Vogelparks sieht eigentlich alles normal aus, so wie man es aus dem Frühjahr kennt: Die Flamingos sind zurück in einem neuen Außengehege, neue Beschilderungen wurden angefertigt und installiert und Zäune sowie Brückengeländer haben einen neuen Anstrich erhalten, der erste Nachwuchs ist geschlüpft, aber dennoch bleibt der Park weiterhin geschlossen. Besucher dürfen und können den Vogelpark seit einiger Zeit nicht betreten. Hintergrund ist unter anderem eine fehlende Zoogenehmigung. Dabei ist zu erwähnen, dass der Vogelpark bereits seit 2012 ohne Zoogenehmigung geführt wurde. In den letzten Monaten sind nur kurzweilige Duldungen erteilt worden.

Die Konflikte zwischen den Beteiligten haben sich inzwischen deutlich verschärft. Erst im vergangenen Sommer wurden Siebelts und sein Partner Daniel Volkmer-Kuberski als neue Betreiber vorgestellt. Der langjährige Eigentümer Klaus Langfeldt hatte zuvor lange nach einer Nachfolge gesucht. Mittlerweile gibt es jedoch Bestrebungen seinerseits, den Kaufvertrag rückabzuwickeln.

Kompliziert machen es zudem zwei unterschiedliche Eigentumsverhältnisse: Tiere und Gebäude wurden verkauft und Personal übernommen, das Grundstück selbst gehört jedoch der Gemeinde und ist im Rahmen eines Erbbaurechts vergeben. Dieses ist inzwischen im Zuge eines sogenannten „Heimfalls“ an die Gemeinde zurückgegangen. Damit fehlt den aktuellen Betreibern die rechtliche Grundlage für den Betrieb. In einem Schreiben der Gemeinde, das dem „reporter“ vorliegt, werden die jetzigen Betreiber aufgefordert, den Park bis zum 30. April besenrein zu verlassen.

Die Gemeindeverwaltung hält sich bislang bedeckt. Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke kündigte lediglich an, dass ein neuer Betreiber gesucht werde.
Christian Siebelts betont, den Park in einer schwierigen Ausgangslage übernommen zu haben. „Ich habe hier angefangen, um den Vogelpark zu retten“, sagt Siebelts, der sich ungerecht behandelt fühlt, in einem Pressegespräch mit dem Familienwochenblatt "der reporter" und einer Tageszeitung. Er und sein Partner konnten sich damals aber nicht vorstellen, welches Ausmaß tatsächlich herrschen würde.

Insbesondere habe es erhebliche Defizite bei der Dokumentation gegeben: Rund 300 Tiere seien ursprünglich ohne Herkunftsnachweise gewesen, „ein Versäumnis vom langjährigen, bisherigen Betreiber des Vogelparks, Klaus Langfeldt“. Diese habe sein Team größtenteils nachträglich beschafft. Als „der reporter“ mit Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke darüber sprach, gab es sogar ein Lob vom Verwaltungschef der Gemeinde: „Das hat Christian Siebelts mit seinem Team wirklich gut aufgearbeitet.“ Lediglich bei 15 Tieren sei dies bislang nicht gelungen – sie dürfen derzeit nicht ausgestellt werden und gehören weiterhin dem früheren Betreiber. „Wir haben mit der Übernahme des Betriebes leider auch die Altlasten des vorherigen Betreibers übernommen,“ berichtet Christian Siebelts.

Parallel zu den organisatorischen und bürokratischen Herausforderungen sieht sich Siebelts auch mit einem laufenden Verfahren konfrontiert. Ihm wird vorgeworfen, Tiere in einen anderen Park nach Brandenburg verbracht zu haben. Er widerspricht dieser Darstellung und verweist auf entsprechende Absprachen und Dokumentation. „Das Verfahren läuft fälschlicherweise auf meinen Namen,“ berichtet Siebelts. Eine Rechtsanwältin wurde dazu eingeschaltet, um die Sache aufzuarbeiten. Hinzu kommt, dass Christian Siebelts zu diesem Zeitpunkt auch noch gar nicht neuer Betreiber war, was Dokumente belegen.

Um die Zukunft des Parks zu sichern, setzt Siebelts auf einen personellen Neustart. Mit Heiko Janatzek, der von der Zoom-Erlebniswelt, einem großen Tierpark in Gelsenkirchen, an die Ostsee kommt, soll ab Mai ein erfahrener zoologischer Leiter übernehmen. Die Gesamtleitung des Parks wird Jep Jepsen verantworten, während Siebelts sich künftig im Hintergrund um Marketing und Finanzen kümmern will.

„Eine entsprechende Genehmigung für Heiko Janatzek wurde uns vom Kreis in Aussicht gestellt“, sagt Siebelts und legt dem „reporter“ ein entsprechendes Schreiben vor. Darin steht, dass Herr Janatzek als Biologe als sachkundig anzusehen ist, sodass mit dessen Präsenz ab dem 1. Mai zusammen mit dem bereits angestellten Jep Jepsen zwei sachkundige Personen im Park vertreten sein würden. Weiter heißt es in dem Schreiben, das per E-Mail auch an die Gemeindeverwaltung ging: „Es wurden zudem umfängliche Maßnahmen seitens der momentanen Parkleitung durchgeführt, um den tierschutzkonformen Zustand herzustellen.“ Janatzek möchte mit dem gesamten Team den Vogelpark Niendorf/Ostsee zu einer modernen zoologischen Einrichtung machen, die ihren Kernaufgaben gerecht wird. Der neue Kurator bringt nicht nur eine entsprechende Expertise, sondern auch ein großes Netzwerk in Artenschutz und Forschung mit in das Naturschutzgebiet in Niendorf/Ostsee.

Inhaltlich soll der Vogelpark neu ausgerichtet werden: Artenschutz, Bildung und moderne zoologische Konzepte sollen künftig stärker im Fokus stehen. Auch die Erweiterung des Tierbestands ist geplant. In naher Zukunft sollen so auch Schulprojekte angeboten werden, ein Zoo-Kindergarten sowie ein Streichelzoo mit weiteren Tieren soll entstehen, Flugshows sind geplant und der Kinderspielplatz soll erweitert werden.

Da der Vogelpark momentan geschlossen ist, fehlen natürlich Besucher und somit Einnahmen. Voraussetzung für einen Neustart bleibt neben den erforderlichen Genehmigungen vor allem eine Einigung mit der Gemeinde über einen neuen Pachtvertrag für das Grundstück. Ohne diese Grundlage ist eine Wiedereröffnung des Vogelparks weiterhin nicht möglich. Die Entscheidung darüber liegt letztlich bei der Kommunalpolitik.

„der reporter“ hat deshalb die Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung am vergangenen Donnerstag um Antworten von mehreren Fragen gebeten. Alle Parteien und Wählergemeinschaften erklärten, dass sie sich grundsätzlich sehr für den Erhalt und Fortbestand des Vogelpark Niendorf stark machen und auch weiterhin einsetzen werden, aber Fragen zu dem Thema nicht beantworten können, da die Angelegenheiten rund um den Vogelpark in nichtöffentlichen Sitzungen behandelt worden sind. Die Grünen ließen die Anfrage unbeantwortet.

Nils Hopp vom „BürgerBündnis Neue Perspektive“ wurde etwas ausführlicher: „Die Gemeindevertreter der BBNP haben ihr Abstimmungsverhalten bei Beschlüssen über das Vertragsverhältnis mit dem Betreiber des Vogelparks einzig auf faktische Gründe gestützt, die von der Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister vorgetragen worden sind. Ich kann versichern, dass die diesbezüglichen Entscheidungen allein auf Basis der Informationen der Gemeindeverwaltung und des Bürgermeisters getroffen worden sind. (…) Der Fraktion der BBNP sind keine neuen Erkenntnisse mitgeteilt worden beziehungsweise auch nicht bekannt.“

Hintergrund für diese Antwort ist, dass den Gemeindevertretern anscheinend nicht mitgeteilt wurde, dass die Bescheidung der noch fehlenden Zoogenehmigung kurz bevorsteht, und zwar mit dem Dienstantritt von Heiko Janatzek, der bereits am 27. April im Vogelpark erwartet wird.
Bereits am Tage der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung (24. März) soll die Gemeindeverwaltung mit der Aussicht auf Bescheidung der Erlaubniserteilung (Zoogenehmigung) durch Dr. Marc Cursiefen vom Kreisveterinäramt per E-Mail informiert worden sein.

Dieter Boeden sagt dazu als Fraktionsvorsitzender der CDU Timmendorfer Strand: „Die CDU und alle Gemeindevertreter unterstützen alle rechtlich sicheren Möglichkeiten zur Fortführung des Vogelparks und muss auf die von der Verwaltung vorgelegten Informationen vertrauen können.“

„Eine rechtliche Bewertung der Sachverhalte, die letztlich zu den Beschlüssen geführt haben, kann ausschließlich von der Gemeindeverwaltung und den Rechtsberatern der Gemeindeverwaltung vorgenommen werden,“ sagt Nils Hopp, Fraktionsvorsitzender des BBNP.

Die Gemeindeverwaltung hat kurz vor Druckbeginn der Printausgabe auf eine „reporter“-Anfrage Folgendes geantwortet: „Der Selbstverwaltung (Politik) werden alle der Verwaltung bekannten sowie für die Entscheidungsfindung relevanten Informationen zum Zeitpunkt der jeweiligen Sitzung zur Verfügung gestellt.“ Der Kreis Ostholstein hat sich dazu trotz Nachfrage nicht geäußert.

Ein bereits zugesagter Gesprächstermin mit dem Bürgermeister, der direkt nach Ostern stattfinden sollte und an dem neben dem Vogelpark-Leitungsteam auch die Rechtsanwältin der Parkbetreiber teilnehmen sollte, wurde nach der letzten

Sitzung der Gemeindevertretung, in der das „Heimfallrecht“ beschlossen wurde, abgesagt. Zudem wurde das Vogelpark-Team vor der entscheidenden Sitzung ausdrücklich darum gebeten, keine Kontaktaufnahme mit den Gemeindevertretern zu unternehmen. „Aus diesem Grund haben wir im Vorfeld keinen direkten Kontakt mit der Politik aufgenommen,“ heißt es. Mit einem Schreiben hat sich das neue Team des Vogelparks am vergangenen Wochenende an die Fraktionsvorsitzenden und den Bürgermeister gewandt und in den Park eingeladen, um in einen offenen Austausch zu treten und damit sich alle ein eigenes Bild von der aktuellen Situation machen können. „Der Dialog war und ist uns stets ein wichtiges Anliegen,“ so Siebelts.

Es bleibt spannend, wie es in dieser Sache weitergeht. Letztendlich liegt es in den Händen der Kommunalpolitik und wie sie mit den neuen Fakten (Aussicht auf Zoogenehmigung) umgehen und ob sie mit dem jetzigen Vogelpark-Team nochmal ins Gespräch kommen. R.K.

Inzwischen sind die Flamingos aus ihrem Winterquartier entlassen worden und wieder in einem Außengehege untergebracht.

 

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