Ministerpräsident Daniel Günther besuchte Timmendorfer Strand und Scharbeutz

Einen Tag nach seinem Besuch wurde es erst richtig voll

Ministerpräsident in Tdf und Scharbeutz
Am vergangenen Freitag machte sich Ministerpräsident Daniel Günther vor Ort ein Bild vom Treiben an den Ostseestränden. (Foto: René Kleinschmidt)

Timmendorfer Strand/Scharbeutz. Ferienstart in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und vier weiteren Bundesländern, das bedeutet für die touristischen Hotspots in Schleswig-Holstein den Corona-Härtetest. Deshalb hat sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am vergangenen Freitag, 26. Juni, auf den Weg nach Timmendorfer Strand und Scharbeutz gemacht, „um dort mit Verwaltung und Polizei, mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Tourismus die kommenden Wochen zu besprechen.“ Vor Ort hat sich Günther über den touristischen Neustart im Allgemeinen, aber auch um den Andrang an den Stränden informiert.

Zuerst stand eine Gesprächsrunde und ein Informationsaustausch mit Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU), Timmendorfer Strands Bürgervorsteherin Anja Evers (CDU), Bürgermeister Robert Wagner (parteilos) und örtlichen Vertretern aus Tourismus und Wirtschaft in der Trinkkurhalle auf der Agenda. Danach ging es über die „Buddelbar“ zum Strand, entlang der Wasserkante bis zur Holzbude von Strandkorbvermieter Marcus Bade, wo sich Günther aus erster Hand über die derzeitige Situation informierte. Bade prophezeite bereits am Freitagmittag: „Ab morgen wird es bei uns richtig voll. Fast alle wollen an die Ostsee.“

Der Rundgang des schleswig-holsteinischen Landeschefs führte schließlich über die Kurpromenade entlang der Cafés und Geschäfte bis zum Ende der Seebrücke, immer umringt von Mitarbeitern, Personenschützern und einem Pulk von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten. „Ja, es sind viele Menschen am Strand unterwegs und aus der Entfernung wirkt es gut gefüllt,“ so Günther beim Blick von der Maritim-Seebrücke auf den Strand, „aber aus der Nähe bei unserem Gang an der Wasserkante zeigt sich, dass die Abstandsregeln sehr wohl eingehalten werden. Die Verantwortlichen vor Ort haben die Lage im Griff. Bitte sorgt alle dafür, dass das so bleibt! Ob das alles in den Ferien handhabbar bleibt, müssen wir uns genau ansehen.“

Weitere erklärte der Ministerpräsident: „Bislang war das Infektionsgeschehen extrem niedrig und alles hat funktioniert, weil die Menschen in Schleswig-Holstein die Regeln freiwillig eingehalten haben.“ Zu den Menschenmassen, die jetzt mit Ferienbeginn an die Küste strömen, meinte er: „Die Küstenorte wissen ja, wer kommt, und haben Zahlen, auf die sie sich einstellen können.“ Nachdem die viel diskutierte „Strand-App“, eine Art Reservierungssystem für den Strand, nun doch nicht wie vorerst geplant eingeführt wird, sondern lediglich eine „Strand-Ampel“ in Scharbeutz und St. Peter Ording getestet wird, sieht Günther nicht als Problem. „Da gibt es unterschiedliche Überlegungen auch in den Kommunen und wir haben als Land ja auch gesagt, dass wir solche digitalen Lösungen auch entsprechend mit Fördermitteln unterstützen werden, aber das ist Freiheit von Kommunen, das selbstverantwortlich zu regeln und da gibt es auch unterschiedliche Herangehensweisen in den einzelnen Kommunen,“ so Günther.

Vor der Gesprächrunde in der Trinkkurhalle besuchte der Landeschef auch die Polizeistation in Timmendorfer Strand, um sich über das Geschehen aus polizeilicher Sicht zu informieren.

In Scharbeutz hat Daniel Günther sich mit Gastronomen, Vermieter und Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) im Hotel Bayside zum Gespräch getroffen. Auch die dortige Forderung nach mehr Polizeipräsenz, wenn sich der Ansturm auf die Küste erhöhen sollte, würde er mit nach Kiel nehmen, so Günther gegenüber der Presse. „Im Zweifelsfall muss das Land tatsächlich Abhilfe schaffen.“

Aber auch der Umgang mit Gästen aus Risikogebieten wie derzeit aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen war ein Thema, zu dem Daniel Günther Stellung bezog: „Wer einen negativen Corona-Test hat, darf natürlich bei uns Urlaub machen. Und wer keinen Test vorweisen kann, muss zwei Wochen in Quarantäne. Aber natürlich können sich die Urlaubsgäste aus diesen Gebieten auch am Urlaubsort nachtesten lassen.“ Diese hätten dann nach 48 Stunden Gewissheit „und können ihren Urlaub ohne Quarantäne genießen“. Es dürfe aber kein allgemeines Misstrauen gegenüber den Gästen aus Nordrhein-Westfalen geben. „Wir sollten solidarisch sein und für Kontrollen ist das Land zuständig. Die Regeln sind klar und präzise,“ so der Ministerpräsident. „Ich habe insgesamt ein gutes Gefühl,“ sagte Daniel Günther am Freitag nach seinem Besuch in Scharbeutz und Timmendorfer Strand.

Scharbeutz und Haffkrug haben am Samstag dicht gemacht

Nur wenige Stunden nach Günthers Besuch in den beiden Ostseegemeinden, war die Situation in den Badeorten der Lübecker Bucht bereits eine ganz andere: Das gute Sommer-Wetter am vergangenen Samstag führte - wie erwartet - zu einem wahren Ansturm von Tagesgästen auf die Lübecker Bucht. Von Corona-Abstandsregeln war kaum noch etwas zu sehen, da es fast gar nicht möglich war, genügend Abstand zu halten.

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Scharbeutz, Bettina Schäfer, kündigte bereits um 11 Uhr auf facebook an, keine weiteren Fahrzeuge mehr in den Ort zu lassen. „Unsere Parkplätze sind bereits jetzt voll“, so die Bürgermeisterin in ihrem Aufruf auf facebook. „Anreisende Gäste werden nur noch durch unsere Orte durchgeleitet. Anwohner und der ÖPNV haben freie Fahrt, auch Gäste zu Ferienwohnungen und Hotels. Bitte halten Sie Ihre Buchungsbestätigung bereit. Ich entschuldige mich schon jetzt, wenn es zu Verzögerungen kommt und bitte um Verständnis. Ich erinnere nochmals, dass jeder auch seine Eigenverantwortung tragen muss - mit Abstand und Respekt!“ Auch Rundfunkdurchsagen haben auf die vollen Ostseebäder hingewiesen, um Tagesgäste von einer Anreise abzuraten.

Auch Timmendorfer Strand und Niendorf/Ostsee waren ebenfalls am Samstagvormittag überfüllt. Da der Strand genauso wie die Parkplätze die Kapazitätsgrenzen erreicht haben, wurden Nebenstraßen, Einfahrten und Privatgrundstücke zugeparkt.

 

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