Erfolgreiche Fahrrad-Demo „Mehr Platz fürs Rad“: Kommt jetzt doch die Fahrradstraße in Timmendorfer Strand und Niendorf?

Fahrrad-Demo
Über 250 Teilnehmer haben an der Fahrrad-Demo teilgenommen. (Foto: René Kleinschmidt)

Timmendorfer Strand. Am vergangenen Mittwochnachmittag fand eine Fahrrad-Demo unter dem Motto „Mehr Platz fürs Rad“ in Timmendorfer Strand und Niendorf/Ostsee statt. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten allein um 16.30 Uhr beim Treffpunkt auf der Strandstraße vor der Niendorfer Seebrücke, weitere Radfahrer trafen sich zur gleichen Zeit am Ostsee-Gymnasium in Timmendorfer Strand, andere sind beim Treffpunkt an der GGS-Strand Europaschule dazugekommen. Insgesamt sind über 250 Fahrradfahrer dem Aufruf von Initiator Harm Kruse gefolgt, um auf die gegenwärtige, schlechte Verkehrssituation, vor allem für Radfahrer, hinzuweisen.

„Großartige Ideen zum Fuß-Radverkehr für die Gemeinde liegen in den Schubladen und hätten lange schon angewendet werden können. Ich fordere die Politik und die Verwaltung auf, die Umsetzung dieser Verkehrskonzepte voranzubringen und kurzfristige Lösungen zu präsentieren,“ so Harm Kruse, der zur Fahrrad-Demo aufgerufen hat. „Für ein gutes Miteinander in der Gesamtgemeinde Timmendorfer Strand und ein sicheres Nebeneinander auf Fußwegen, der Straße und Promenade.“

Hintergrund für die Demo und eine parallel stattfindende Online-Petition von „Pro Rad Timmendorfer Strand/Niendorf“ ist die Sperrung der Strandpromenaden für Radfahrer und die gefährliche Situation, vor allem für radfahrende Schulkinder. Nach einer Anordnung des Kreises dürfen die Radfahrer die Promenaden seit Ostern nicht mehr befahren. Der Termin der Demo war bewusst so gewählt, da am Abend der Verkehrsausschuss in der Sporthalle in Timmendorfer Strand tagte. Die kurze Abschlusskundgebung mit weit über 250 Demo-Teilnehmern fand auf dem Parkplatz der Strand-Arena statt.

In der Sitzung erhielten die Initiatoren von Demo und Online-Petition auch das Rederecht und durften ihre Fragen an die Ausschussmitglieder richten, da das Thema erneut auf der Tagesordnung stand.

So fragte Olaf Kittelmann: „Haben Sie den Vorschlag zur Öffnung der Promenade bis 14 Jahre geprüft?“ und „Wie kam es zu der Abwägung, dass die Unversehrtheit eines Fußgängers auf der Promenade schwerer liegt als die eines Radfahrers?“. Kittelmann weiter: „Das Miteinander ist wichtig, denn es soll keine Gräben zwischen Radfahrern und Fußgängern geben.“ Sebastian Knebelkamp fragte: „Was spricht gegen die vorgeschlagene Randzeitenregelung und hat eine Betrachtung der zeitlichen Verteilung der Unfallereignisse stattgefunden?“. Tim Schröder wollte wissen, wie die großen Info-Banner, die aufgestellt wurden um Touristen zu informieren, rechtlich zu bewerten sind. „Meines Erachtens verschlimmern diese die Situation für Kinder und deren begleitenden Eltern, weil die gemäß der Straßenverkehrsordnung zulässige Nutzung von Fußwegen damit in Frage gestellt wird und somit Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern unnötig verstärkt werden,“ so Tim Schröder. „Auf der Promenade stehen Verbotsschilder, aber kein Hinweis darüber, dass Kinder die Promenade, auch mit einem Elternteil, befahren dürfen.“ Tatsächlich dürfen Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren die Promenade alleine befahren und bis acht Jahre in Begleitung von Eltern.

„Vor fast drei Jahren wurde ein Radfahrkonzept erarbeitet, an dem ich auch beteiligt war, seitdem habe ich davon nichts mehr gehört,“ berichtet Harm Kruse und stellte die wichtigste Frage: „Wann können Radfahrer wieder sicher durch Timmendorfer Strand fahren?“

Viele Fragen blieben unbeantwortet. Eine offizielle Unfallstatistik liegt noch nicht vor und bei den wenigen Unfällen, die von der Gemeinde in den Jahren 2019 (7 Unfälle) und 2020 (5 Unfälle) benannt worden, handelt es sich auch um solche, bei denen Radfahrende ohne Fremdeinwirkung gestürzt sind und sich verletzt haben.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Melanie Puschaddel-Freitag (CDU) sagte, dass eine neue Beschilderung „im Werden ist“. Und: „Ein Fußgänger-Schild sagt auch aus, dass Kinder bis 10 Jahre die Promenade befahren dürfen.“ Das reicht den Eltern der Kinder aber nicht aus. Außerdem soll die Schulwegsicherung erneut überprüft werden.

Michèl Soltmann, Leiter des Fachbereiches Ordnung, sagte: „Die Promenaden sind seit jeher Fußwege, aber der damalige Bürgermeister Volker Popp hat diese Gehwege vor Jahren für Fahrräder freigegeben. Die zusätzliche Beschilderung ,Radverkehr frei’ schafft aber laut Straßenverkehrsordnung  keinen Radweg. Radfahrer wurden geduldet und durften auf diesen Wegen mit Schrittgeschwindigkeit fahren, wobei Fußgänger immer Vorrang hatten.“ Soltmann weiter: „Wir waren in einem guten Dialog mit der Verkehrsbehörde, die allerdings Bedenken äußerte, für einen Versuch mit zeitlicher Begrenzung. Dann haben Anwohner die verkehrsrechtliche Anordnung überprüfen lassen und Recht bekommen, da diese nicht zulässig ist. So mussten wir vor Ostern die verkehrsrechtlichen Maßnahmen ändern.“ Michèl Soltmann betont: „Nach dem Verkehrsrecht ist alles ordnungsgemäß ausgeschildert.“

Ausschussmitglied Frank Theunissen (WUB) gab Soltmann zwar Recht, aber sagt auch: „Wir hängen mit allen Fraktionen ein Jahr hinterher und die Kinder sind besonders gefährdet. Unfälle haben übrigens damals dafür gesorgt, dass Schulkinder die Promenade mit dem Rad benutzen dürfen. Die Aufklärung und Beschilderung ist mangelhaft. Es müssen zielorientierte Lösungen her! Die Promenade war immer für Fußgänger, man hätte sich aber rechtzeitig darum kümmern können.“

Ausschussmitglied Sven Partheil-Böhnke (FDP) sagte ehrlich in Richtung Zuschauer: „Auch wenn Ihnen viel versprochen wird, es wird sich dieses Jahr auf der Promenade leider nichts ändern. Das Land hat hier auch keine Entscheidungsgewalt, da es Kreis-Sache ist. Und das Radfahrkonzept der Gemeinde wurde leider verschlafen und nicht zu Ende gebracht.“

„Ich habe bisher noch keine Lösungsvorschläge gehört,“ sagte Ausschuss-Vorsitzender Jan Karthäuser (Grüne). „Das Konzept ,Fahrradstraße’ liegt aber bereits in der Schublade.“ Michèl Soltmann vom Ordnungsamt bestätigte schließlich: „Eine schnelle Lösung wäre lediglich eine Fahrradstraße.“ Dazu äußerte Martin Pannewig (WUB) seine Bedenken: „Wir sehen die Unfallgefahr in einer Fahrradstraße gefährlicher als auf der Strandpromenade.“

Die WUB forderte eine namentliche Abstimmung zu dem Punkt, die Einbahnstraße in der Strandallee zwischen Timmendorfer Strand und Rodenbergstraße für den Radverkehr freizugeben. Die zwei WUB-Vertreter und das FDP-Mitglied stimmten dafür, diesen Punkt zu streichen, da dies zu schweren Unfällen führen könnte. Die restlichen neun Ausschussmitglieder von CDU, SPD, Grüne und BBNP stimmten gegen die Streichung.

Mit den Stimmen von Grünen, SPD und BBNP beschloss der Verkehrs­ausschuss, die Strandallee und Strandstraße zwischen Ostsee-Therme und Meerwasser-Hallenbad in Niendorf schnellstmöglich als Fahrradstraßen auszuweisen. Das Konzept einer Fahrradstraße war schon 2018 Thema und 2020 bereits einmal vom Ausschuss beschlossen, wurde von der Gemeindevertretung aber wieder gekippt. Auch diesmal müssen die Gemeindevertreter der Einrichtung einer Fahrradstraße in ihrer Juni-Sitzung zustimmen.

Die Gemeindeverwaltung könnte nach einem Beschluss der Gemeindevertretung die Fahrradstraßen-Regelung zum Ende der Sommerferien, also im August, umsetzen, so Fachbereichsleiter Michèl Soltmann. Fahrradfahrer haben dann in der Strandstraße und Strandallee Vorrang und für Autofahrer gilt ein Tempolimit von 30 km/h. Zusätzlich könnten einige Parkplätze am Straßenrand wegfallen.

Einen Abend zuvor beschäftigten sich die Mitglieder des Tourismusausschusses mit einer langfristigen Lösung des Platzproblems auf den Promenaden. Landschaftsarchitektin Urte Schlie stellte die Machbarkeitsstudie zu einem Dünenweg vor, der als aufgeständerter Holzbohlenweg neben den Promenaden verlaufen könnte und vorwiegend von Fußgängern genutzt werden soll.

Die erste Variante, die einen Verlauf direkt am Strand vorsieht, lehnten die Ausschussmitglieder direkt ab. Die Mehrheit stimmte dafür, dass die Verwaltung beauftragt wird, gemeinsam mit Urte Schlie ein Konzept aus den drei, weiteren Varianten – Verlauf über die Düne sowie see- und landseitig direkt neben der Promenade – zu entwickeln. Das neue Konzept soll dann mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz und der Unteren Natuschutzbehörde des Kreises abgestimmt und die Genehmigungsfähigkeit geprüft werden. Bis zu einer möglichen Fertigstellung werden aber mindestens drei Jahre vergehen.

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