Nach der Klausurtagung für die Fahrradstraßen in Timmendorfer Strand: Sondersitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses am heutigen Abend

Fahrradstraße Tdf Sondersitzung
Klimaschutzmanagerin Regine Maaß und Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke berichteten dem „reporter“ über die Ergebnisse der Klausurtagung. (Foto: René Kleinschmidt)

Timmendorfer Strand. Seit vielen Monaten fragen sich die Bürger der Gemeinde Timmendorfer Strand „Kommt die Fahrradstraße in Timmendorfer Strand oder nicht?”. Jetzt können die Kommunalpolitiker (wieder einmal) eine Entscheidung über das viel diskutierte Thema treffen.

Kurzer Rückblick: Die Gemeindevertretung hat die Verwaltung in ihrer Sitzung Ende September mehrheitlich gebeten, zum Thema „Einrichtung einer Fahrradstraße” eine mehrtägige Klausursitzung unter Einbeziehung aller Beteiligten durchzuführen, sowie sämtliche, die Einrichtung einer Fahrradstraße betreffenden Beschlüsse, bis nach Durchführung dieser Sitzung zurückzustellen.

Ende Januar haben nun unter breiter Öffentlichkeitsbeteiligung zwei vorbereitende digitale Workshops zur Einrichtung einer Fahrradstraße stattgefunden. Konzipiert und inhaltlich betreut wurden die Online-Workshops sowie die anschließende Klausurtagung von der Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, Dipl.-Ing. Regine Maaß.

„Anlass und Ziel der Veranstaltungen ist es, aufgrund der starken Verkehrsprobleme des letzten Sommers, für die kommende Saison sowie für die weitere Zukunft Lösungen zu finden,” so Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke. Probleme bereiteten im letzten Sommer, dass die Promenade für den Fahrradverkehr vom Kreis gesperrt wurde, weil die Breite der Promenade nicht ausreichend ist, um gleichermaßen Sicherheit für die große Anzahl der Fußgänger und Fahrradfahrer zu gewährleisten. Die Radfahrer mussten entsprechend auf die Straßen ausweichen. Zusätzlich kam es aufgrund der Brückensperrung an der B76 zu Ausweichverkehr durch den Ort, so dass die Straßen doppelt belastet waren durch vermehrten Rad- wie auch Kfz-Verkehr. Die Politik hat daraufhin die Verwaltung beauftragt, sich intensiv mit der Situation auseinanderzusetzen und Lösungen zu entwickeln. Ziel der Veranstaltungen war es nun, gute Entscheidungsgrundlagen zum Thema Fahrradstraßen als Entlastung der aktuellen Situation an die Hand zu bekommen und das Thema ergebnisoffen zu diskutieren.

Am 25. Januar fand der erste Workshop unter dem Schwerpunkt „Schaffung von Grundlagen zur momentanen Situation“ statt. Die Einführung in das Thema begann mit einer Erläuterung der Historie zur verkehrlichen Nutzung der Strandpromenade und der Erstellung des Fuß- und Radverkehrskonzeptes der Gemeinde. Vorgestellt wurde dies von Antje Merschel, welche gemeinsam mit Thomas Möller von team red Deutschland GmbH das Konzept 2018 bis 2019 entwickelte. Thiemo Graf, Geschäftsführer von i.n.s. (Institut für innovative Städte) und Herausgeber des Fachleitfadens Fahrradstraßen und Fahrradzonen, präsentierte die Grundlagen für Fahrradstraßen und Fahrradzonen. Arne Rohkohl, Mitarbeiter der Wasser- und Verkehrs- Kontor (WVK) GmbH, erläuterte den bisherigen Planungsstand der Fahrradstraßenabschnitte für die Strandstraße und die Strandallee.

Bürgermeister Partheil-Böhnke verdeutlichte noch einmal, dass durch die verkehrsrechtliche Anordnung der Sperrung der Strandpromenade für Radfahrer durch den Kreis Fakten geschaffen sind. Grund ist die zu geringe Breite der Promenade für beide Verkehrsteilnehmer. Die Öffnung der Promenade für Fahrräder sei seinerzeit nicht rechtens gewesen, wurde aber bei dem geringen Fahrradverkehrsaufkommen in früheren Zeiten geduldet. Bei dem heutigen Fahrradverkehr und den vielen Fußgängern sah der Kreis die Notwendigkeit, diese „Duldung“ zu beenden. Auch eine temporäre Öffnung der Promenade zu bestimmten Uhr-/Jahreszeiten sei nicht möglich. Diese Anordnung des Kreises, zu der der Bürgermeister auch das Ministerium befragt hat, könne nicht umgangen werden. Daher sei momentan nur die gemeinsame Nutzung der Straße von Rad und Kfz möglich. Es brauche eine kurzfristige und eine langfristige Lösung, um durch einen Dünenweg oder die Verbreiterung der Promenade deren Nutzung für Radfahrer wieder zu ermöglichen.

In seinem Schlusswort sieht Sven Partheil-Böhnke „das Ziel des heutigen Tages erreicht, Informationen zu sammeln, damit die politischen Gremien die Frage beantworten können, ob die Einrichtung einer Fahrradstraße möglich sei”. Danach müsse die politische Entscheidung stehen, ob das gewollt sei. Der Bürgermeister stimmt beiden Seiten zu, derjenigen, die sich für eine Fahrradstraße stark machen, sowie derjenigen, die sich eine weitere Befahrung der Strandpromenade wünschen. Er betont: „Es muss jetzt aufgrund der Vorgaben des Kreises eine kurzfristige Lösung gefunden werden, das schließt eine langfristige Lösung nicht aus, deren Planung absehbar Jahre dauern wird.”

Am Donnerstag, dem 27. Januar, folgte der zweite Workshop mit dem Schwerpunkt „Umsetzung der Fahrradstraßen und Alternativen“. Carsten Massau von RAD.SH erläuterte die Radstrategie des Landes Schleswig-Holstein und mögliche Fördermaßnahmen für den Radverkehr. Dr. Thorben Prenzel zeigte im Anschluss gelungene Beispiele für umgesetzte Fahrradstraßen auf und stellte das von RAD.SH entwickelte Präsentationspaket für die Öffentlichkeitsinformation und Beteiligung zur Einrichtung von Fahrradstraßen vor.

Als zentraler Themenschwerpunkt für den Workshoptag stellte sich anschließend Prof. Dr. Heiner Monheim vor. Er referierte über Fahrradstraßen und weitere Betrachtungen zur Tempo 30-Zone, den Einsatz elektronischer Verkehrsleitsysteme (KI), den Lieferverkehr in Fahrradstraßen, die temporäre Nutzung von Fuß- und Radwegen und die Einbindung der Planungen in kreis- und landesweite Mobilitätsstrategien.

Joachim Nitz, Geschäftsführer der TSNT GmbH, und Landschaftsarchitektin Urte Schlie stellten Alternativen zur Fahrradstraße unter Einbeziehung der Strandpromenade (Erweiterung, Ausbau, Verlegung) vor. Im Anschluss folgte eine rege Diskussion unter den eingeladenen Experten mit anschließenden Fragen der Zuschauer im Chat.

In der Diskussionsrunde sagte Joachim Siebrecht, Fachdienstleiter Natur und Umwelt beim Kreis Ostholstein: „Der Dünenbereich an der Strandpromenade ist ein geschütztes Biotop, die Entscheidung über einen solchen Weg liegt allein bei der Naturschutzbehörde.” Seine Empfehlung lautet, die Fahrradstraße weiter zu planen, „da dies verhältnismäßig wenig Aufwand sei”. Wenn die Strandpromenade umgestaltet werden soll, dann ist vermutlich über eine Verbreiterung in Teilen hinaus nicht viel mehr möglich. Siebrecht ergänzte: „Ich kann kategorisch ausschließen, dass abgegrenzt von der Strandpromenade ein eigener Weg verläuft, da es sich bei den Dünen um sehr seltene Flächen in Schleswig-Holstein handelt, die besonders schützenswert sind.”

Die abschließende Klausurtagung der gemeindlichen Fraktionen fand am Samstag, dem 29. Januar, statt. Die Ergebnisse werden jetzt im Sonderausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr am heutigen Mittwoch, dem 16. Januar, und in einer Sondersitzung der Gemeindevertretung (voraussichtlich am 8. März) besprochen und präsentiert.

Nach der Klausurtagung sieht Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke nun „eine Verpflichtung der Politik, Entscheidungen zu treffen, damit man sich nicht weiter jahrelang im Kreis drehe.” Er sagt: „Etwas Neues ist immer etwas Ungewohntes, das bereitet verständlicherweise auch Sorgen, aber auf anderem Wege kommt man nicht voran.” Im Gespräch mit dem „reporter” ergänzte er: „Neuerungen und Veränderungen sind immer von Angst begleitet, können aber auch viele Chancen bieten.” Und Klimaschutzbeauftragte Regine Maaß betont, dass sich der Tourismus auch ändern wird, da viele Menschen sich vor Ort bewegen möchten, gerade auch mit dem Fahrrad. „Radfahrer haben auch viele Vorteile, so u.a. bei der Parkplatzsuche und die Geschäfte werden auch bewusster und spontan wahrgenommen,” so Maaß. Gewerbetreibende brauchen demnach auch nicht befürchten, dass Kaufkraft verloren geht, wenn aufgrund einer Fahrradstraße nicht mehr mit dem Auto ins Zentrum gependelt werden könne.

Erkenntnis der Klausurtagung war es, dass die Einrichtung einer Fahrradstraße derzeit die einzige Lösung ist, die kurzfristig und unter Einhaltung rechtlicher Vorschriften umsetzbar ist, um den Radverkehr im Ort sicherer zu gestalten. Dabei sollten Parkmöglichkeiten in einer Fahrradstraße möglichst aufgehoben werden, um Parksuchverkehre zu reduzieren. Mittel- und langfristiges Ziel bleibt es, nicht nur den Einheimischen, sondern auch den zahlreichen radfahrenden Gästen eine attraktivere Möglichkeit auf der Strandpromenade als Ergänzung zur Fahrradstraße zu bieten. Die Ergebnisse hierzu sollen in der März-Sitzung des Tourismusausschusses vorgestellt werden.

Gegenüber den bisherigen Planungen zur Einrichtung einer Fahrradstraße, haben sich einige Änderungen ergeben, die am 7. Februar mit Michael Bornhöft, Fachdienstleiter Verkehr, Kreis Ostholstein, erörtert wurden: Die Fahrradstraße soll nicht auf Anliegerverkehre beschränkt, sondern grundsätzlich für alle ein- und mehrspurigen Fahrzeuge frei gegeben werden, und nicht über die Rodenbergstraße, sondern ohne Unterbrechung direkt über die Strandstraße und Strandallee geführt werden. Dadurch muss der Knotenpunkt an der Einmündung zur Straße „An der Acht“ baulich nicht angepasst werden. Die überörtliche Radwegweisung in Richtung Travemünde soll über die Poststraße und Strandstraße sowie in Richtung Scharbeutz über die Strandstraße und Strandallee erfolgen.

Eine Umwidmung der Strandpromenade in eine Fußgängerzone mit temporärer Öffnung für den Radverkehr, die in der Klausurtagung ins Gespräch gebracht wurde, ist aufgrund der aktuellen baulichen Gegebenheiten verkehrsrechtlich nicht zulässig.

Die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr findet am heutigen Mittwoch, 16. Februar, in einer Mischform als Videokonferenz und Vor-Ort-Sitzung im Sitzungszimmer des Rathauses, Strandallee 42, in Timmendorfer Strand, statt. Interessierte Bürger können unter https://bbb.timmendorfer-strand.org/b/gok-jfp-6hl-icw (Zugangscode: 475493) daran teilnehmen. Der öffentliche Teil der hybriden Sitzung des Ausschusses wird zeitgleich per Live-Stream in die öffentlich zugängliche Mensa der Grund- und Gemeinschaftsschule, Poststraße 36b, Timmendorfer Strand, übertragen.

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