Offener Brief: Timmendorfs Bürgermeister Robert Wagner geht in die Offensive

Robert Wagner
Robert Wagner. Foto: René Kleinschmidt

Tdf. Strand. Nachdem die Einleitung eines Abwahlverfahrens durch die politischen Gremien Anfang Juni gescheitert ist und derzeit ein entsprechendes Bürgerbegehren mit einer Unterschriftensammlung auf den Weg gebracht werden soll, setzt sich Robert Wagner, Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand, zur Wehr. In einem fast achtseitigen offenen Brief blickt er auf seine nunmehr zweijährige Amtszeit zurück. Mit Mitarbeitern und Politikern geht er dabei hart ins Gericht.

Durch seine Wahl sei ein großer Berufswunsch an diesem Tag in Erfüllung gegangen. „Sehr befremdlich für mich war es jedoch, dass es weder im Vorfeld noch bei Amtsantritt eine Übergabe der Amtsgeschäfte durch meine Vorgängerin gegeben hat“, erinnert er sich.

Sein Amtsantritt habe sich doppelt schwierig gestaltet. Zum einen sei die Leitung des Bauamtes und die Leitung des Fachdienstes Immobilien unbesetzt gewesen. „Zum anderen war die Leitungsposition im Ordnungsamt vakant. Die großen Themen wie Feste Fehmarnbeltquerung, Bäderbahntrasse und Bahnhofs­erhalt, das ETC (Eissport- und Tenniszentrum) und die Fortsetzung des Ortsentwicklungsprozesses habe ich ,geerbt‘“.

Dass viele anfangs seine Nähe gesucht hätten, um eigene Interessen durchzusetzen, lässt er ebensowenig unerwähnt, wie vermeintliche Seilschaften. „Wie so oft in Timmendorfer Strand sind Auftragnehmer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Investoren und andere Ideengeber mit Politikerinnen und Politikern zur Schule gegangen, Nachbarn oder befreundet.“

Stichwort „Mitarbeiter“: „Sehr schnell merkte ich, dass verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr vorhandenes Hintergrund- und Historienwissen nicht gerne preisgaben und nach eigenen Vorstellungen Dinge und Arbeitsaufträge abarbeiten und erledigen wollten. Ich merkte auch, dass viele nicht in der Lage waren, zu priorisieren, sich selbst zu organisieren oder in Eigenregie die Arbeitsvorgänge voll umfänglich zu erledigen.“

Relativ schnell habe er auch den Eindruck gewonnen, dass neue Arbeitsweisen und -formen nicht als Chance des Dazulernens begriffen würden, sondern Angst und Ablehnung auslösten. „Das erklärte die große Anzahl von offenen politischen Beschlüssen und Arbeitsaufträgen, die ich bei Amtsübernahme vorfand“, schreibt er.

Die Gemeindeverwaltung sei in den letzten Jahren nicht mit der rasanten Entwicklung des Tourismus mitgewachsen. Der Weg zu einer modernen digitalen und leistungsstarken Verwaltung werde steinig.

„Ein Nachteil ist sicherlich, dass der Öffentliche Dienst in unserem Ort nicht wirklich entwicklungs- und veränderungsfreundlich ist“, urteilt Wagner.

Direkt zu Beginn seiner Amtszeit habe er sich von externen Auftragnehmern getrennt. „Die Arbeitsweise und Zusammenarbeit entsprach nicht meinen Vorstellungen, denn ich bin unabhängig und parteilos und will authentisch arbeiten. Jedoch setzten viele der ehemaligen Auftragnehmer und der Beschäftigten alle politischen Hebel in Bewegung und der politische Widerstand in den Ausschüssen und der Gemeindevertretung mir gegenüber wurde spürbarer“, kritisiert er auch das menschliche Miteinander in Timmenorfer Strand.

„Ein Bürgermeister, der unter anderem auch gewählt wurde, weil er nicht verwandt, verschwägert oder im Ort verwurzelt ist, sollte auch entsprechend entscheiden dürfen.“

Auch was die Gemeindeverwaltung betrifft, legt Wagner im Laufe seines Briefes nochmal nach. „In den Jahren vor mir als Bürgermeister haben sich einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Komfortzonen geschaffen und andere sind zu heimlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern mutiert.“

Neue Ideen, Arbeitsweisen, andere Lebens- und Weltanschauungen würden oftmals überwiegend abgelehnt oder nur zögerlich zugelassen. Stattdessen werde über die „stille Post“ und den „Flurfunk“ den Neuen das Ankommen erschwert.

Zu den Personalveränderungen schreibt er zudem: „Nicht jeder Weggang ist eine, dem Bürgermeister geschuldete Arbeitnehmerkündigung. Durchaus sind auch Arbeitgeberkündigungen dabei. Ich bin der Meinung, dass man als Amtschef auch das Recht hat, seine Mannschaft aufzustellen. Und wenn Arbeitsweisen und -einstellungen nicht zueinander passen, darf man sich auch voneinander trennen.“

Zur öffentlichen Diskussion um seine Person äußerst er sich wie folgt: „Bei mir kommt schon seit längerer Zeit der Verdacht auf, dass einige Funktionsträger eher eine Marionette für das Bürgermeisteramt gesucht haben, anstelle eines kreativen Selbstdenkers, der dazu noch gut im Kreis, Land und Bund netzwerkt und der Gemeinde Timmendorfer Strand ein neues Gesicht gibt.“

Fortwährend werde versucht, politisch vollumfänglich Einfluss auf seine Amtsführung zu nehmen.

Bedauerlicherweise habe sich in den letzten zehn Jahren unter drei Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern kein gutes Miteinander mehr zwischen Politik und Bürgermeisteramt gezeigt.

Da er aber seine Wiederwahl und eine zweite Amtszeit anstrebe und von seinen Modernisierungs- und Reformschritten im Personalwesen und der dringenden Änderung der Arbeitsweisen überzeugt sei, lasse er sich weder durch persönliche Angriffe/Anfeindungen und Unterstellungen einschüchtern noch zum Aufgeben bewegen.

„Meine Hoffnung war und ist es, dass Politik und Verwaltung/Bürgermeister sach- und themenorientiert weiter zusammenarbeiten und gemeinsam mit professioneller Unterstützung lernen, die Rolle/Sichtweise des anderen besser zu verstehen.“ Außerdem solle es darum gehen, die Bedürfnisse, Kommunikationsweisen und Verhaltensmuster untereinander besser einordnen und verstehen zu können.

„Für mich ist immer noch eine Zusammenarbeit mit der Politik möglich und ich bin überzeugt davon, dass unter Hinzuziehung von entsprechenden Experten/Agenturen die kommenden Jahre der Zusammenarbeit entspannter verlaufen werden als die letzten Monate.“

Außerdem fragt Timmendorfs Verwaltungschef, was nach ihm komme, im Falle einer Abwahl.

„Wer wählt denn einen fleißigen, arbeitenden Bürgermeister ab und weiß nicht, wen er dann bekommt? Ich bin ein Selbstdenker und kreativer Geist und der bleibe ich auch! Eine Marionette war ich noch nie. Selbstverständlich habe ich großen Respekt vor Wahlen, demokratischen Prozessen und respektiere Meinungen und Ergebnisse.“

Sein Fazit: „2018 sollte der neue Bürgermeister parteilos und unabhängig sein. Er ist es geblieben und nun schauen wir mal, wie lange er noch in seinem Amt bleibt.“

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