Planung der Ostküstenleitung: Konferenz lief nicht geräuschlos ab

Ostküstenleitung-Konferenz
Das Podium bei den „Gesprächen mit der Region“ zur geplanten Trasse (v.l.): Staatssekretär Tobias Goldschmidt, Tennet-Kommunikationsfrau Vera Brenzel, Moderatorin Nadine Bethge, Jan Philipp Albrecht und Reinhard Sager. Foto: Eknad

Ratekau/Ostholstein. Am vergangenen Donnerstag haben Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht und die TenneT TSO GmbH (TenneT) die aktuelle Planung für die 380-kV-Ostküstenleitung in den Abschnitten Lübeck-Siems und Lübeck-Göhl vorgestellt. Die öffentliche Ostküstenkonferenz in der Møn-Halle in Ratekau bildete den Abschluss einer Reihe von Dialog- und Informationsangeboten in Ostholstein in der informellen Dialogphase vor Beginn der Genehmigungsverfahren. Die Planfeststellungsverfahren für diese beiden Planungsabschnitte beginnen ab Frühjahr 2022.

„Die Ostküstenleitung ist ein wichtiger Teil der Energiewende in Schleswig-Holstein. Sie hilft uns beim Aufbau des klimaneutralen Energiesystems und wird größere Windstrommengen aus Ostholstein aufnehmen und transportieren können“, so Energiewendeminister Albrecht. „Mir ist es wichtig, mit den Beteiligten und den Betroffenen in der Region vor Beginn der Genehmigungsverfahren für die Ostküstenleitung in den Abschnitten Lübeck-Siems und Lübeck-Göhl alle Fragen über den aktuellen Planungsstand direkt zu besprechen“, so Albrecht weiter.

Bei der Ostküstenkonferenz präsentierte die Vorhabenträgerin Tennet die aktuell geplante Trassierung in diesen beiden Planungsabschnitten und erläuterte die Gründe für ihre Korridorwahl und die Trassierung, die Tennet in das Planfeststellungsverfahren einbringen wird. Die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung im Anhörungsverfahren mit Gelegenheit zur Stellungnahme ist für Betroffene ab Frühjahr 2022 vorgesehen. Im Genehmigungsverfahren, an dessen Ende die unabhängige Genehmigungsbehörde den Trassenverlauf verbindlich festlegt, können sich noch Änderungen an der Planung ergeben.

„Die Akzeptanz ist nach wie vor die größte Herausforderung für den notwendigen Netzausbau. Tennet schafft hierbei größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten. Jedes Jahr führen wir 300 bis 400 Bürgerdialogveranstaltungen im Tennet-Netzgebiet durch. Hierzu zählt auch die heutige Konferenz zur Ostküstenleitung. Sie ist Abschluss der umfassenden Reihe von informellen Dialogformaten mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und dem Kreis Ostholstein. Gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Energiewendeministerium fassen wir jetzt alle Dialog-Ergebnisse für den zweiten und dritten Abschnitt der Ostküstenleitung zusammen und stellen den finalen Planungsstand vor. Anfang 2022 wollen wir die Unterlagen bei der Genehmigungsbehörde einreichen. Damit beginnt dann das offizielle Verfahren. Auch hier können sich alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren Argumenten weiter einbringen“, sagte Till Klages, TenneT-Gesamtprojektleiter der Ostküstenleitung.

Erwartungsgemäß geräuschlos lief die Konferenz tatsächlich nicht ab. So kam deutliche Kritik von Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller, der an die Abschlusskonferenz 2015 an selber Stelle erinnerte. Damals habe es ein Ergebnis gegeben, bei dem jeder sagte: „Ok, etwas viel Bessers hätten wir gar nicht rauskriegen können. Insofern waren wir superüberrascht, dass wir 2020, nachdem wir nichts mehr von der Tennet gehört haben, eine neue Trassenvariante präsentiert bekommen haben, die nichts mehr mit dem Vorzugsergebnis von 2015 zu tun hatte.“

Es habe Proteste und daraufhin widerum auch noch einige Veränderungen gegeben, aber: „es ist nichts, dass wir heute ,Hurra schreien‘ können.“ Das gelte sowohl für das Ergebnis als auch für den Bürgerdialog an sich.

Und weiter bemängelte er: „Wir machen die Energiewende, mit Technik, die 70 Jahre alt ist“, und fragte in diesem Zuammenhang, warum man das Thema Wasserstoff nicht weiter nach vorne bringe. Eine größere Strategie des Landes diesbezüglich sei „überhaupt nicht erkennbar.“ Gleiches gelte für Erdkabeltechnik, die durchaus auf schmaler Trassierung möglich sei, was ein vom Kreis und der Gemeinde Ratekau in Auftrag gegebenes Gutachten belege. Und brachte er noch den Netzentwicklungsplan ins Spiel,  der nach wie vor eine geringe Auslastung der Leitung ausweise. „Das ist doch nicht nachhaltig, was hier passiert.“

Auch Ostholsteins Landrat Reinhard Sager machte seinem Ärger Luft: „Wir sind äußerst unzufrieden, wie mit unseren Anliegen und Vorschlägen umgegangen wurde. Ohne unser Wissen und ohne erneuten Dialogprozess wurde hinter verschlossenen Türen im letzten Sommer eine neue Trassenführung erarbeitet und die Trasse einfach an die Ostküste verlegt. Sie soll jetzt in einem schmalen Korridor geführt werden, in dem die dort lebenden Menschen ohnehin schon durch die Autobahn und die zukünftige Schienenanbindung für die feste Fehmarnbeltquerung belastet sind.“ Dies sei kommunikativ ein Disaster gewesen und auch fachlich nur schwer vermittelbar.

Auch er kritisierte, dass der Vorschlag des Kreises eine in Deutschland bereits erfolgreiche schmale Erdverkabelung in Erwägung zu ziehen, ohne Prüfung abgelehnt worden sei und das trotz Zusage vom Bund, Ostholstein werde Pilotprojekt für die Erdverkabelung. „Im Kreis herrscht große Ernüchterung.Wir werden alle Möglichkeien ausschöpfen, die immerhin das formale Beteiligungsverfahren dann noch bietet“, so Sager.

Die Tennet begründet die veränderte Trassenführung mit Parametern, die sich im Laufe der Zeit ergeben hätten – wie etwa zunächst anders eingschätzte Gegebenheiten beim Flug der Zugvögel.

Die Konferenz fand aufgrund der Pandemie-Bedingungen als Hybrid-Veranstaltung statt. Die Präsenz-Teilnahme an der Konferenz war für maximal 150 Personen nach 2G+-Voraussetzungen erlaubt. Laut Tennet waren zirka 50 Personen vor Ort, online waren 87 Besucher (Geräte) eingeloggt.

Hintergrund:

Die geplante 380-kV-Ostküstenleitung ist das Vorhaben Nr. 42 des Bundesbedarfsplans mit den drei Abschnitten Kreis Segeberg – Lübeck, Lübeck-Siems und Lübeck-Göhl.

Für die Vorhaben des Bundesbedarfsplans sind die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf gesetzlich festgelegt. Mit der Aufnahme in den Bundesbedarfsplan besteht für den planungsverantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber TenneT TSO GmbH (TenneT) die gesetzliche Verpflichtung, die 380-kV-Ostküstenleitung zu realisieren.

Weitere Informationen:

Nähere Informationen zur Ostküstenleitung lassen sich findenauf der  Website der TenneT TSO GmbH zur Ostküstenleitung unter tennet.de oder auf der Website des Landes Schleswig-Holstein zum Dialogverfahren Ostküstenleitung.

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