Rensefelds Pastor Matthias Kiehn nach 32 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

Pastor Kiehn in den Ruhestand verabschiedet
Wurde am vergangenen Sonntag als Pastor der Gemeinde Rensefeld in den Ruhestand verabschiedet: Matthias Kiehn. Text/Foto: Heinen/KKOH

Bad Schwartau. Es war eine glückliche Fügung, dass Matthias Kiehn ausgerechnet am vergangenen Sonntag aus seinem Amt als Pastor für die zweite Pfarrstelle der Gemeinde Rensefeld in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet wird – nach 32 Jahren in Bad Schwartau. Im Kirchenkalender ist es der Sonntag Kantate, der vierte Sonntag nach Ostern. Der Tag also, an dem die Musik im Mittelpunkt vieler Gottesdienste steht. Musik hat Matthias Kiehn von Kindesbeinen an begeistert und sein Leben geprägt. Schon immer hat er gesungen, lernte erst Blockflöte, dann Trompete spielen. Doch in der Kirchengemeinde kennt man ihn vor allem als Bassisten und Gitarristen der „Rense-Band“. Bei ihm zu Hause am Stadtrand von Lübeck, wo Matthias Kiehn seit August vergangenen Jahres wohnt, gibt es ein großes CD-Regal, und in einem der Zimmer hängen zahlreiche Gitarren. „Mein Leben lang bin ich in der Musik unterwegs gewesen“, sagt er.

Obwohl der 62-Jährige nun schon lange nördlich von Hamburg lebt, fühlt er sich „immer noch als Hamburger“ – wenngleich nicht als Großstädter. Er ist ein Mensch, der die dörfliche Gemeinschaft nach wie vor schätzt, wie er sie als Kind und Jugendlicher im Stadtteil Curslack im äußersten Südosten der Elbmetropole erlebt hat. Sein Vater war dort Pastor und der Filius gehörte wie die meisten anderen Jungs zur Dorf-Gang. Der Wechsel auf das Gymnasium in Bergedorf bedeutete eine echte Erweiterung des „lokalen Horizonts“, wie es Pastor Kiehn ausdrückt.

Beim Gemeindepädagogen und Kirchenmusiker lernte der Jugendliche das Singen und Musik zu machen. Regelmäßig fuhr er mit ins Zeltlager und übernahm dort auch Verantwortung. Er habe „die christliche Sozialisation mit der Muttermilch aufgesogen“ und diese Zeit als Kind und Jugendlicher habe ihn „sehr geprägt“, wie er rückblickend sagt. „Wer das nicht erlebt hat, versteht das nicht“, so Kiehn.

Im Alter von 17 Jahren lernte der Hamburger seine spätere Frau kennen, die er im Alter von 25 Jahren heiratete und mit der er drei Kinder haben sollte. Noch heute muss er schlucken, wenn er sich an ihren überraschenden Tod im Alter von nur 36 Jahren erinnert. In dieser Zeit, man schrieb schon das Jahr 1998 und Matthias Kiehn war da schon Pastor in Rensefeld, habe er ganz persönlich die stärkende Kraft des Abendmahls erfahren, sagt er. „Im Glauben zum Leben“, dieser Satz, der auch auf den neuen Glocken der Kirche steht, ist so etwas wie der theologische Leitsatz, der in der Gemeinde entwickelt wurde, vor allem aber auch Kiehns persönliche Sicht auf den Glauben ausdrückt. Später heiratete Matthias Kiehn erneut und ist Vater von vier Kindern.

Doch ein Stück zurück zum jungen Mann aus Curslack, der zum Studium nach Hamburg ging. Nach seinem Examen 1987 und einer Art Warteschleife – seinerzeit drängten viele junge Theologen in den Beruf – in der Gemeinde in Nettelnburg, absolvierte Kiehn sein Vikariat in Hamburg-Horn. Anschließend führte ihn sein Weg „mit Holpern“ gleich nach Rensefeld, wie er sich heute erinnert. Das „Holpern“ bestand darin, dass der damalige Propst Matthias Kiehn gerne woanders eingesetzt hätte, dieser sich jedoch durchsetzen konnte und mit seiner Ordination im Juni 1991 dann doch in Rensefeld als junger Pastor zur Probe anfing. 1995 wurde er schließlich als Pastor auf der zweiten Pfarrstelle ins Amt eingeführt.

„Mit viel Spaß und Freude“ habe er die Konfirmandenarbeit übernommen und auch seine Erfahrungen aus der „Bibeltheaterausbildung“ eingesetzt, erzählt Kiehn. Es wurden spannende Jahre mit seinen Kollegen, zu denen vor allem Peter Rönndahl, Astrid Tank (später Tilles) und Frank Karpa zählten.

Während Pastor Kiehn die Anschaffung neuer Glocken eher als Projekt seiner damaligen Kollegin sieht, engagierte er sich besonders bei der Kirchensanierung vor gut zehn  Jahren. Auch die Schaffung einer Kita-GmbH für die Kitas der drei Kirchengemeinden von Bad Schwartau geschah vor allem auf sein Bestreben hin. „Das Ziel war, die Kitas weiter im gemeindlichen Leben zu verankern, die Administration aber auszulagern“, so Kiehn, der dabei auch ein gutes Stück Überzeugungsarbeit in den Gemeinden zu leisten hatte. Der Friedhof lag Jahrzehnte in seiner Zuständigkeit. Die Friedhofskapelle wurde saniert, bekam eine neue Orgel und ein Vordach, es gab eine Friedhofserweiterung und der Friedhof wurde komplett neu überplant. Beschäftigt hat ihn in den vergangenen Jahren auch die Diskussion um die Einrichtung eines Ruheforstes in Bad Schwartau, gegen den er immer wieder argumentiert hat.

Weggefährten beschreiben Kiehn als einen Pastor, der jedes Gemeindemitglied stets als theologischen Gesprächspartner ernstgenommen hat. Ihm selbst ist auch wichtig, dass Mitarbeitende in der Gemeinde für ihn immer Kolleginnen und Kollegen waren und nicht Angestellte, weil sie alle ihre Gaben und Kompetenzen eingebracht haben. „Ich verstehe mich als Teil dieses Teams“, sagt Kiehn im Rückblick.

Er ist erschöpft von der Zeit, als er in einer langen Zeit der Vakanz der ersten Pfarrstelle auf sich allein gestellt war. Er will nun im Ruhestand viel Musik hören, Fahrradfahren und sich „als begeisterter Handwerker“ so manchem Projekt in Haus und Ferienhaus widmen. Vor allem will er sich mehr Zeit nehmen für seine Familie, Freunde und vor allem für seine 91-jährige Mutter.

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